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Schöne Worte sprechen

  • Autorenbild: Dörte
    Dörte
  • 29. März
  • 3 Min. Lesezeit

Wenn Menschen an ihr Lebensende kommen und die letzten Tage angebrochen sind, dann sind diese Tage und Stunden häufig voller Spannung und Ratlosigkeit. Gleichzeitig tut sich dann ein Zeitfenster auf, in dem Zeit keine Rolle zu spielen scheint.


Wir sitzen am Bett, halten die Hand, lauschen dem Atem und den Geräuschen die da sind oder - nicht sind.

Häufig sind wir als Dabeiseiende dann sehr gefordert von der Veränderung, die gerade stattfindet, die wir nicht aufhalten können und die uns mit der Tatsache konfrontiert, dass dieser Körper, der da im bett liegt, gerade vergeht.


Wenn es uns gelingt in dieser Phase diesen Veränderungsprozess auch in seiner Natürlichkeit zu betrachten und das da sein zu lassen, was gerade da sein will und muss, dann kann diese Zeit eine besondere, eine heilige Zeit sein. So erlebe ich es.

Für mich ist es immer wieder eine Ehre, wenn ein Sterbender mich an seinem Bett haben möchte und die Signale dazu sendet - wie zum Beispiel, dass die Person in meiner Anwesenheit ruhiger und entspannter wird. Dass der Atem sich verlangsamt und die Körperpsannung nachläßt. Dass die Hand, die ich halte Kontakt zu mir aufnimmt und vielleicht sogar die Meine festhält.


In meiner Ausbildung, als wir in der Berufsschule das Thema des Lebensendes und des Sterbens durchnahmen, da sagte meine Schulkollegin zu mir: "Das ist doch die Zeit in der wir da sein sollten und schöne Worte sprechen."

Wie klug das war, weiß ich erst heute. "Schöne Worte sprechen". Das mache ich heute in meiner Arbeit, wenn ich einen Sterbenden versorge. Dann sage ich, Worte, die Sicherheit vermitteln sollen wie zum Beispiel: "Sie sind in Sicherheit." "Ich bin bei Ihnen." "Ich unterstütze sie, dass sie sich drehen können." "Wir übernehmen jetzt" "Es ist für alles gesorgt" usw. Die Familienmitglieder fordere ich auf, davon zu erzählen, was die Person gerne gemacht hat, von Orten zu sprechen wo die Person gerne war und sich sicher gefühlt hat.


Da die Forschung davon ausgeht, dass das Gehör der letzte Sinn ist, der sich im Sterbeprozess ausschlatet und über den letzten Atemzug hinaus wahrzunehmen scheint, werde ich die Person auch wenn sie keine Vitalzeichen mehr zeigt ansprechen und darüber informieren, was ich tue und was gerade geschieht.


In meiner Arbeit im Hospiz habe ich außerdem gelernt, dass es wichtig ist unser Herz sprechen zu lassen und dass es häufig wichtiger ist nicht WAS wir sagen, sondern WIE wir es sagen: Ruhig, langsam, zentriert und vom Herzen.


Ja und dann ist es häufig schwer für uns, dass wir keine Antwort zu bekommen scheinen. Aber ist das wirklich so? Die Signale werden kleiner, aber sie sind doch da. Beobachtet genau, was die Person tut und zeigt: Ein Wimpernschlag, eine Veränderung in der Atemfrequenz, ein Händedruck oder das Wegschieben einer Hand, Unruhe, Spannung im Körper, ein winziges Nicken, ein Laut... All das können wichtige Hinweise sein.


Wenn wir nicht wissen, ob unsere Worte die Person erreichen, dann ist es wichtig Körpersprache zu verstehen und unsere Körperpsrache einzusetzen: Wichtig ist: WIE berühre ich jemanden? Schnell oder langsam, drücke ich fest oder sanft, nehme ich nur mit den Fingerspitzen Kontakt auf oder mit der ganzen Handfläche, wie fühlt sich meine Hand an - ist sie kalt? naß? rauh? trägt sie einen Handschuh?...


Wichtig ist, dass die Person ihren Prozess in ihrer Zeit und Rhythmus leben darf und sich dafür an einem sicheren und geeigneten Ort dafür fühlt. Wenn dann noch jemand da ist, der sich die Zeit nimmt achtsam Kontakt zu Körper aufnimmt und der die Signale eines Sterbenden wahrnimmt und schöne Herzensworte spricht, singt, DA ist -

Dann kann ein Raum der Entspannung entstehen und es kann friedlich werden.




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